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Lebenssituation des jungen Menschen


53. Was ist bei der Angabe zum Aufenthalt der Unterschied zwischen "ohne festen Aufenthalt" und "an unbekanntem Ort"?
Wenn ein junger Mensch nicht über eine regelmäßig genutzte Adresse verfügt, sondern „auf der Straße“ lebt, ist „ohne festen Aufenthalt“ zu kodieren. Die Fachkraft weiß in diesem Fall, wie sich die konkrete Situation des jungen Menschen gestaltet. „An unbekanntem Ort“ ist dagegen anzugeben, wenn der Fachkraft unbekannt ist, wo der junge Mensch sich aufhält.

54. Sind bei der Frage nach der Herkunftsfamilie immer die leiblichen Eltern gemeint?

Der Anspruch auf eine Hilfe zur Erziehung liegt bei den Personensorgeberechtigten. Dies sind in der Regel die leiblichen Eltern. Wenn aber ein Kind adoptiert worden ist, dann ist die Situation seiner Adoptiveltern bzw. des leiblichen Elternteils, der mit einem Adoptivelternteil zusammenlebt, zu erfassen.

55. Die Situation in der Herkunftsfamilie ändert sich manchmal während der Hilfe. Ist am Ende der Hilfe dann eine andere Angabe möglich als bei der Bestandsmeldung am Ende des Jahres?
Nein. Es ist nur eine Angabe zur Situation der Herkunftsfamilie möglich und zwar die Situation zu Beginn der Beratung. Änderungen, die sich danach ergeben, werden in der Statistik nicht berücksichtigt.

56. Nach einer Scheidung praktizieren die Eltern ein gemeinsames Sorgerecht nach dem „Wechselmodell“. Das Kind lebt also ebenso viel mit dem Vater wie mit der Mutter zusammen. Was soll in der Bundesstatistik angegeben werden?
Die Bundesstatistik erfasst für die Lebenssituation des Kindes den „Aufenthaltsort vor der Hilfe“ und die „Situation in der Herkunftsfamilie“. Als Aufenthaltsort ist im Fall des Wechselmodells der „Haushalt der Eltern/eines Elternteils“ anzugeben. Bei dieser Antwort wird nicht unterschieden, ob die Eltern getrennt leben.

Auch wenn das Wechselmodell in der Form realisiert wird, dass das Kind immer in derselben Wohnung wohnt und zeitweise der eine bzw. andere Elternteil mit ihm zusammen leben, ist „Haushalt der Eltern/eines Elternteils“ anzugeben.

Bei der „Situation in der Herkunftsfamilie“ muss die Situation desjenigen Elternteils erfasst werden, mit dem das Kind zum Zeitpunkt des Erstgesprächs zusammenlebt.

57. Wenn das Sorgerecht nicht mehr bei den Eltern liegt, sondern beim Jugendamt, welche Familiensituation soll dann erfasst werden?
Wenn das Sorgerecht nicht mehr bei den leiblichen Eltern/Adoptiveltern liegt, hält das Kind sich auch in der Regel nicht mehr bei den Eltern auf. In diesem Fall soll die Situation am tatsächlichen Aufenthaltsort des Kindes erfasst werden. Dies kann dann auch die Situation in der Pflegefamilie sein, die ja sonst hier nicht berücksichtigt wird.

58. Wenn Eltern geschieden sind, gibt es keine eindeutige „Herkunftsfamilie“ mehr. Welche Situation wird dann erfasst?
Wenn Eltern sich getrennt haben oder geschieden sind, ist für die Bundesstatistik die Situation bei dem Elternteil maßgeblich, bei dem das Kind sich regelmäßig aufhält.

59. Ein Jugendlicher lebt mit anderen Jugendlichen in einer Wohnung zusammen. Sie werden von einem Sozialarbeiter betreut. Ist dann als Aufenthaltsort „in der eigenen Wohnung“ anzugeben?
Nein. Wenn die Jugendlichen von einem Sozialarbeiter betreut werden, dann handelt es sich um eine Leistung nach § 34 SGB VIII (sonstige betreute Wohnform). Eine eigene Wohnung des jungen Menschen ist nur dann anzugeben, wenn damit nicht zugleich ein Leistungsbezug in der Jugendhilfe verbunden ist.

60. Wozu werden die Angaben zur „Lebenssituation der Hilfeempfängerin/ des Hilfeempfängers“ benötigt?

Auslösend für eine Hilfe ist in aller Regel die Situation in der Familie des jungen Menschen. Deshalb sollen wichtige Aspekte die Situation in seiner Familie erfasst werden. Sie geben Aufschluss darüber, in welchen Konstellationen Hilfebedarfe vorrangig entstehen.

61. Muss die Frage nach dem Migrationshintergrund auch dann beantwortet werden, wenn klar ist, dass er nicht vorliegt?

Die Merkmalsausprägung „Migrationshintergrund“ stellt keinen Filter dar, so dass nur bei Vorliegen von Migration „Ja“ oder „Nein“ zu antworten wäre. Vielmehr wird umgekehrt aus den Antworten zur ausländischen Herkunft bzw. zur gesprochenen Sprache zurückgeschlossen, ob hier ein Migrationshintergrund vorliegt. Deshalb ist in jedem Beratungsfall eine genaue Angabe erforderlich.

62. Muss die Angabe zur ausländischen Herkunft eines Elternteils auch gemacht werden, wenn klar ist, dass es sich um Einheimische handelt?
Die ausländische Herkunft ist eine Operationalisierung für das Erhebungsmerkmal „Migrationshintergrund“. Deshalb muss auch die Angabe gemacht werden, dass keine ausländische Herkunft eines Elternteils vorliegt, weil nur dadurch eine Aussage über den Migrationshintergrund möglich wird.

63. Muss die Angabe „In der Familie gesprochene Sprache“ auch dann gemacht werden, wenn klar ist, dass es sich um Deutsche handelt?
Die in der Familie gesprochene Sprache ist eine Operationalisierung für das Erhebungsmerkmal „Migrationshintergrund“. Deshalb muss auch die Angabe gemacht werden, dass vorrangig deutsch gesprochen wird, weil nur dadurch eine Aussage über den Migrationshintergrund möglich wird.

64. Um die wirtschaftliche Situation einer Familie richtig angeben zu können, braucht man ja eine sozialrechtliche Schulung!
Die wirtschaftliche Situation einer Familie zu erfassen ist grundsätzlich aufwändig. Deshalb hat die Bundesstatistik auf ein einfaches Merkmal abgestellt: die Familie oder der junge Volljährige erhält staatliche Transferleistungen. Nicht berücksichtigt ist die Erwerbssituation der Familie; auch nicht erfasst wird eine Arbeitslosigkeit eines Elternteils/des jungen Volljährigen. Denn in diesem Falle erfolgt eine Leistung aufgrund eigener Beiträge zur Sozialversicherung.

In der Bundesstatistik führen in der Regel drei Konstellation zu der Angabe „Ja“:
• Die Person ist erwerbsfähig, aber länger als ein Jahr arbeitslos. Sie erhält dann Arbeitslosengeld II.
• Die Person ist eingeschränkt erwerbsfähig (d.h. bis zu drei Stunden pro Tag arbeitsfähig). Sie erhält dann eine bedarfsorientierte Grundsicherung.
• Die Person ist nicht erwerbsfähig. Sie erhält dann Sozialhilfe.

Wenn eine über 65-jährige Person (die die Personensorge für einen jungen Menschen inne hat) eine zu niedrige Rente bezieht, erhält sie ebenfalls bedarfsorientierte Grundsicherung.
Eltern, die aus ihrer Erwerbstätigkeit sich selbst erhalten können, aber nicht mehr die Aufwendungen für ihr Kind/ihre Kinder finanzieren können, erhalten einen Kinderzuschlag, damit sie kein Arbeitslosengeld II bzw. keine Sozialhilfe beantragen müssen. Auch diese Konstellation führt zur Angabe „Ja“.

Schließlich können Personen, die in Deutschland um Asyl nachsuchen, den notwendigen Bedarf an Ernährung, Unterkunft, Heizung, Kleidung usw. vom Staat als Sachleistung oder als Geldleistung erhalten (Asylbewerberleistungsgesetz). Auch dies führt zur Angabe „Ja“.

Nicht-erwerbsfähige Angehörige, die mit erwerbsfähigen Hilfebedürftigen in einer Bedarfsgemeinschaft leben, erhalten – wenn sie keine anderen Leistungsansprüche geltend machen können – „Sozialgeld“. Auch der Bezug von Sozialgeld führt zur Angabe „Ja“.

65. Was sind staatliche Transferleistungen?
Unter staatlichen Transferleistungen versteht man Zuwendungen des Staates mit denen entsprechend dem Verfassungsauftrag aus Art. 72 GG ungleiche Lebenssituationen ausgeglichen werden. Typische Transferleistungen sind das Wohngeld, das an ein geringes Einkommen geknüpft ist oder der Kinderzuschlag, der die Mehrbelastungen, die aus dem Aufziehen von Kindern für Eltern entstehen, ausgleichen soll.

Bei dem Merkmal der Wirtschaftlichen Situation sollen nur solche staatlichen Transferleistungen erfasst werden, die mit der Erwerbsfähigkeit der Betroffenen verbunden sind.

66. Führt der Bezug von Kindergeld bei der „Wirtschaftlichen Situation“ zur Angabe „Ja“?
Nein. Es muss unterschieden werden zwischen Kindergeld und Kinderzuschlag. Kindergeld ist zwar auch eine staatliche Transferleistung, aber alle Eltern (von Kindern unter 27 Jahren bzw. in Ausbildung) haben Anspruch auf Kindergeld bzw. auf den steuerlich geltend zu machenden Kinderfreibetrag. Hier sollen Situationen sozialer Belastung erfasst werden. Deshalb führt nur der Bezug von „Kinderzuschlag“, der an Eltern bei einem nicht ausreichenden Erwerbseinkommen gezahlt wird, damit diese keine Arbeitslosengeld II bzw. keine Sozialhilfe beantragen müssen, zur Angabe „Ja“.

118. Werden Pflegefamilien als Herkunftsfamilien erfasst?
Die Bundesstatistik unterscheidet zwischen dem Aufenthaltsort des Kindes vor der Hilfe und der Situation in der Herkunftsfamilie. Wenn ein Kind vor Beginn der Hilfe in einer Pflegefamilie lebt, so ist dies als sein Aufenthaltsort zu kodieren. Die Pflegefamilie ist jedoch – anders als eine Adoptivfamilie - nicht die Herkunftsfamilie des Kindes. Deshalb müssen zur Situation in der Herkunftsfamilie die Verhältnisse angegeben werden, die für die leiblichen Eltern zutreffen. Die Bundesstatistik erfasst hier nicht die Situation der sozialen Familie in der das Kind lebt, sondern bildet die Situation ab, die zur Entstehung des Hilfebedarfs beigetragen hat.

119. Kann auch der Migrationshintergrund einer Pflegefamilie abgebildet werden?
Für ein Kind wird dann erfasst, dass es in einer Pflegefamilie lebt, wenn es aufgrund von § 33 oder 44 SGB VIII dort untergebracht ist. Es befindet sich also schon in einer Leistung der Jugendhilfe. Von diesem tatsächlichen Aufenthaltsort wird die Situation in der Herkunftsfamilie, der das Kind entstammt, unterschieden. Die Herkunftsfamilie wird in der Statistik nach den Merkmalen Situation der Eltern, Migrationshintergrund und wirtschaftliche Situation erfasst. Ein Migrationshintergrund ist daher nur bezogen auf die leiblichen Eltern anzugeben.

Wenn das Kind in einer ortsansässigen, deutschsprachigen Pflegefamilie lebt, ist also ggf. ein Migrationshintergrund für dessen leibliche Eltern anzugeben. Wenn aber ein Kind in einer Pflegefamilie mit Migrationshintergrund lebt, dann geht dies nicht in die Statistik ein, sondern es wird auch hier die Situation seiner Eltern erfasst.

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